Uhrwerk

Präzision und Fingerspitzengefühl
Eine Konferrenz

Das Treffen wurde hastig einberufen und die Ereignisse dieses denkwürdigen Tages rüttelten an den sicheren Mauern aus Ordnung, dieHiram Kasheen um die Repräsentanten der Uhrmachergilde zu errichten versuchte.
Die kuriose, feuerrote und wunderschön anzusehende Färbung des Himmels und ihre Auswirkungen auf die Leute von Port Gordar wären schon genug Anlass für wilde Spekulation und, ja, Sorge gewesen. Doch -und zumindest da war man sich mittlerweile einig – diese unvosrichtige Mischung aus Wissenschaft und Siegelkunst hatte auch das vollbracht, was die Mitglieder der Gilde seit langem gleichermaßen befürchteten und herbeisehnten: intelligente Golems, Konstrukte mit einem Bewusstsein, erwachten in der ganzen Hafenstadt.
Ihre Zahl war schwer abzuschätzen, aber Gesandte der Gilde arbeiteten bereits daran, in dieser Hinsciht Ergebnisse vorzulegen.
Jetzt musste der Gildenmeister nurnoch dafür Sorgen, dass seine Kollegen einen kühlen Kopf bewahrten. Der Diplomat kannte Situationen wie diese, zumindest im Kern (er erlaubte sich dieses gedankliche Wortspiel), und eine Stabilisierung der Lage hatte nun oberste Priorität.
Er seufzte, als er sich die etwa zwanzig Tüftler, exzentrischen Techniker und Baumeister der Gilde durch die Linsen seiner optischen Mechadendrite ansah, während seine menschlichen Augen auf einen Plan der Stadt und andere Dokumente lagen.
Sie benahmen sich wie eine Bande aufgeregter Schüler, warfen sich haarsträubende Theorien, geschürt von Ängsten oder Hoffnungen an den Kopf, sogar Skinner und Robertson hatten Schwierigkeiten, Ruhe zu bewahren.
Sie alle waren kluge Köpfe, doch als Personen… Nicht leicht zu handhaben. Das war manchmal der Preis der Genialität.
Lediglich eine Zwergenfrau, noch in ölbeschmierter Technikerkleidung war geradezu zurückhaltend, nur ihre Augen, die immer wieder zwischen den Sprechenden hin und herhuschten verrieten ihre Aufmerksamkeit. Sie trug keinen Fakultätsanhänger oder andere Abzeichen, die ihre Anwesenheit hier rechtfertigten.
Mit metallischem Klicken, schob sich die vergrößernde Linse seines mechanischen Auges in Position und Hiram merkte sich ihr Gesicht, um sie später zu befragen, denn jetzt hatte er andere Sorgen.
“… Wir wissen nicht, wieviele noch erwachen könnten. Die Folgen könnten katastrophal sein! Wir sind nicht bereit für so etwas!”, warf Robertson ein, die Stimme von erster Heiserkeit geplagt. “Genau für diese Situation haben wir Projekt Entkernung als Notfallplan entwickelt, wir sollten unsere Mittel nutzen, bevor es zu spät ist!”
“Ich finde den Namen nach wie vor lächerlich…”, warf die Fakultätsvorsitzende für Siegelforschung ein, Hiram hatte ihren Namen vergessen, sie war recht neu in der Gilde. “Und unser Spielzeug an denkenden Wesen ausprobieren ist exakt das was wir nicht tun sollten, schon gar nicht unter diesen Umständen!”
“Spielzeug?!”, knurre Robertson, wurde aber bereits unterbrochen.
“Master Robertson hat recht! Wir wissen, zu was diese Konstrukte fähig sind, ohne einen Weg sie zu kontrollieren… Die Wachen mit den passenden Waffen ausstatten wird vielleicht nicht genügen!”
Es war die Faust von Sophia Correls mechanischem Arm auf dem langen Tisch, die für wenigstens ein paar Sekunden Stille sorgte. “Wir bekommen dieses Geschenk und ihr wollt es einfach so wegwerfen, weil ihr euch bei dem Gedanken an Veränderung nass macht?! Was seid ihr denn für Wissenschaftler?!”, bellte die grauhaarige Orkin und das war der Punkt an dem die Diskussion zu einer Spirale aus Beschimpfungen, anatomisch unangemessenen (und schwer umsetzbaren) Vorschlägen und bedauernswert wenig konstruktiven Vorschlägen zur Stabilisierung der Lage degenerierte.
Es war auch der Punkt, an dem Hiram Kasheens Kopf sich hob und der alte Gildenmeister sich laut räusperte.
Als hätte jemand einen Stillezauber gewirkt, legte sich Schweigen über den Raum. Als er sich der Aufmerksamkeit aller Gildenmitglieder sicher war, verschränkte er die Arme hinter dem Rücken und ließ den Schatten eines Lächelns über sein Gesicht huschen.
“Wir werden uns vorbereiten, aber dieses Projekt bleibt im Giftschrank, wo es hingehört.” Er nickte Robertson ernst zu, gab seiner Stimme das Gewicht eines unmissverständlichen Befehls.
“Ihr habt die Golems, Boten wie Arbeiter dort draußen gesehen. Ihre Absichten sind nicht feindselig, also sollten wir ihnen die selbe Ehre erweisen. Was heute geschehen ist, der feurige Himmel und die Spuren die es hinterlassen hat, es hat einen positiven Einfluss auf alle Gemüter in der Stadt. Es wäre töricht, diese gute Basis nicht zu kultivieren.”
Der Gildenmeister begann entlang des Tischendes auf und ab zu schreiten, eine Hand nachdenklich ans Kinn gelegt, sein mechanisches Auge immer noch auf der Fakultät.
“Veränderung kommt nur zu den Mutigen, ich hoffe das hat keiner von Ihnen vergessen. Die Gilde und das Imperium wären heute nicht das, was sie wären, würden wir alles Neue im Keim ersticken. Unsere Werkzeuge sind von Präzision und eindeutigem Zweck. Wir formen Ideen, wir integrieren sie in das Große Ganze. Wir zerschlagen sie nicht mit einem Hammer, nur weil wir uns im ersten Moment nicht vorstellen können, wie sie als Teil in die Maschine passen.”
Keeshan schüttelte den Kopf. “Nein, wir werden nicht überhastet handeln, wir vernichten nicht, nur weil wir noch nicht verstehen.”
Er wandte sich wieder an die vermeintlich klügsten Köpfe der Stadt. “Ich hoffe, Sie haben alle verstanden, was hier auf dem Spiel steht und auch, was es heißt, wenn sie sich in irgendeiner Form gegen diese Entscheidung stellen.”, stellte er mit Worten scharf wie Messern klar, fand dann jedoch sein freundliches Gesicht umgehend wieder.
“Und nun gehen Sie und machen Sie die Stadt zu einem besseren Ort, wie es unsere Aufgabe ist…”

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Offene Bücher
Ein Gespräch zwischen Freunden

“Es waren zwei, vielleicht drei. Definitiv die Arbeit von Weirdboys. Wir haben ein paar Spuren und meine Leute sind dran.”
Sergeant Wyfur versuchte sich zu einer Mischung aus Professionalität und Zuversicht zu zwingen, doch sein Freund der alte Pensionsbesitzer schien ihn gar nicht zu hören, sondern sah abwesend dem blassen Rauch seiner Pfeiffe zu, der in dünnen Fäden aus dem offenen Fenster floh.
“Vierzig Jahre…”, murmelte Nicholas Wren mit rauer Stimme, “Mona war dieses Jahr vierzig Jahre an meiner Seite, Wyfur.”
“Ich weiß, Nick. Ich war auf der Feier.”, erinnerte der Zwerg ihn.
Das Leder seines Sessels knarzte unter ihm, als er sich nach vorne lehnte. “Überlass das uns. Wir kriegen die Bastarde.Für Ivan, für Mona, für dich… Aber du darfst jetzt nichts unüberlegtes tun.”, ergänzte der Soldat mit einem flüchtigen Blick auf das lange, verzierte Gewehr, das an der Wand über Wren hing.
“Sie muss gewusst haben, dass was nicht stimmt. Meiner Mona macht niemand was vor. Wäre ich doch nur früher zurückgekommen…”
Er drehte sich um, ließ die Pfeiffe auf dem Fensterbrett liegen und die Asche kalt werden.
“Dann hätte ich jetzt drei Tote statt zwei hier liegen.”, führte Wyfur den Satz für ihn zuende, brachte es aber nicht über sich, die Zeitform zu korrigieren, in der sein Freund von seiner toten Frau sprach.
“Und jetzt soll ich nichts tun?!”, fuhr der alte Mann den Soldaten an. “Wie willst du die Mörder finden, mit allem was in der Stadt los ist?!”
“Du sollst nicht nichts tun du alter Narr, du sollst das tun, was du gut machst. Nicht das, was du mal gut gemacht hast. Ich brauche keinen Vigilanten, ich brauche die Namen aus Monas Buch. Ich brauch den Mann, der seine Augen in der ganzen Stadt hat. Überlass den Rest mir und meinen Leuten.”
Die grauen Augen des alten Pensionsbesitzers wanderten zwischen dem Zwerg und seiner Flinte hin und her und schließlich ging er entschlossen zu seinem Schreibtisch und zog ein mitgenommenes schwarzes Buch aus einer der Schubladen.
Mit flinken Fingern blätterte er durch die Seiten. “Du weißt, dass das kein Streit oder Zufall war, oder Sergeant? Das war eine offene Rechnung. Von jemandem, den unsere Regeln nicht interessieren.”, brummte Wrens zornige Stimme in die Stille zwischen dem leisen Kritzeln eines Stifts.
“Deutet alles drauf hin…”, bestätigte der Zwerg, ohne weiter darauf einzugehen, was für Probleme es machen würde, wenn der Mord an einer Freundin aus irgendeinem Grund eine Staatsangelegenheit war.
“Hier… die einzigen Gäste, die an dem Abend hier waren…Maxwell Dearheart, ‘n Zauberer von außerhalb, arbeitet für die Gilde und… Nishkar, Orksoldat, nicht mehr im Dienst, hat ‘nen mechanischen Arm, graue Haut.”
Wyfur nickte dankbar und notierte sich die Namen. “Zu diesem Dearheart haben wir bereits was. Kenneth und Lynn sind schon unterwegs um ihn zu finden und zu befragen. ”
“Gut. Schick mir einen Boten, wenn du mehr hast. Ich mach mich an die Arbeit…”, knurrte er entschlossen.

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